In der Haut des anderen stecken

Wer hat sich darüber nicht auch schon mal Gedanken gemacht? Einmal in die Haut des anderen schlüpfen, um sich gegenseitig besser zu verstehen. Das wäre schön, das wäre Luxus, das Leben wäre viel einfacher…. Wäre es das?

Ich frage mich, ob das überhaupt sinnvoll sein könnte. Wir möchten am liebsten die Gedanken des anderen lesen können. Vielleicht würden wir verstehen, was genau mein Gegenüber meint. Denn sagen kann man viel, aber was dahinter steckt, möchte ich gerne rauskriegen.

Nur ist das ein Eingriff in die Privatsphäre desjenigen. Ich möchte auch nicht, dass andere all meine Gedanken hören könnten. Ich würde mich nackt fühlen. Ich würde versuchen meine Gedanken zu überdecken, oder nichts zu denken. Das klappt aber nicht. Vielleicht habt ihr auch schon mal versucht nichts zu denken und das geht dann etwa so: „nichts denken, nichts denken, nein, nichts denken, nein, nein, nein…. Ach morgen hab ich noch einen Friseurtermin… aaahhh nein! Nichts denken…. Ruuuhiiiig… Düdeldüdeldü“. Tja, ein Mensch denkt immer irgendetwas – immer!

Wenn ich ehrlich bin, möchte ich zwar mein Gegenüber lernen besser zu verstehen, aber wenn ich genau darüber nachdenke, erkenne ich, dass das wohl eher eine Art Kontrolle ist, in der Haut des anderen stecken zu wollen. Ich will weder kontrolliert werden noch kontrollieren müssen. Jede Beziehung die von Kontrolle geprägt ist, ist keine besonders gute Beziehung.

Alles was ich brauche ist Vertrauen. Wenn ich vertraue, kann es mir auch egal sein, was so alles um mich rum gedacht wird. Hauptsache, was ich höre ist ehrlich und nett gemeint. Denn Vertrauen braucht keine Kontrolle.

Mein Fazitist, dass es falsch ist, in der Haut des anderen zu stecken, um zu sehen, was in diesem Kopf vorgeht und ob alles was nach Gefühl des anderen anstrengend sein soll, auch aus meiner Sicht anstrengend ist und ob das was er als schön empfindet, auch für mich so schön ist.

Mein Freund muss auch nicht in meiner Haut stecken, um zu erkennen, was ich schön finde. Viel besser ist, wenn er es auch so weiss. Also, denke ich nicht mehr daran, nehme es so wie es ist und vertraue weiter. Doch… Wunder nehmen würde es mich trotzdem.

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